Des Mannes liebstes Spielzeug fährt nicht mehr
Früher wurde sie von Generation zu Generation vererbt, an Weihnachten standen Sohn und Vater gemeinsam vor dem Weihnachtsbaum und bewunderten ein neues Teil für sie: gemeint ist die Eisenbahn, in Deutschland unzertrennlich verbunden mit dem Namen der Firma Märklin. Weit mehr als 100 Jahre lang begeisterten Eisenbahnen von Märklin junge und alte Männer. Eine ausgefeilte Technik, ein schier unendliches Sortiment, höchste Qualität und Funktionalität waren der Grund dafür, dass Kinder monatelang ihre Taschengeld sparten, um sich ein Teil für ihre Eisenbahn kaufen zu können.
Dieses Spielzeug fährt aber nicht mehr, die Firma Märklin hat Insolvenz angemeldet. Allerdings wäre es verfrüht zu sagen, es wäre die Banken daran schuld, auch wenn letztendlich der Auslöser die Kreditverweigerung der Banken war. Vielmehr steht dahinter eine grundlegende Veränderung des Spielverhaltens. Schon lange haben in unserer Zeit elektronische Geräte wie Computer, MP3-Player, Fernsehern, PlayStation und anderer elektronischer Schnickschnack das herkömmliche Spielzeug von den Wunschlisten der Kinder verdrängt. Gleichzeitig führte das preiswerte Angebot an Spielzeug aus Fernost dazu, dass immer weniger Menschen bereit waren, teures Geld für die Qualitätsware der Firma Märklin auszugeben.
Seit vielen Jahren zeichnete sich daher bereits der Trend ab, dass vorwiegend Sammler die Produkte der Firma Märklin kauften. Jungen die zu Männern geworden waren, und immer noch in ihrer Fantasie das geliebte Spielzeug spielten. Diese Zielgruppe war natürlich anspruchsvoll, aber eben auch bereit, die hohen Preise für Märklin zu bezahlen.
Trotz allem gelang es der Firma nicht, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. In dieser Zeit passierten zwei tragische Fehlentscheidungen. Zum einen versuchte man die Kosten durch Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer zu senken, zum anderen erhöhte Märklin die Preise. Leider hatte die Verlagerung der Herstellung auch Qualitätsverluste zur Folge, die zusammen mit den höheren Preisen die Bereitschaft der Käufer zur Ausgabe größerer Summen überstrapazierten. In der Konsequenz stagnierten die Umsätze, immer weniger Menschen kauften das Spielzeug vermerken.
Schließlich gab die Inhaberfamilie auf und verkaufte ihre Firma an Finanzinvestoren. Diese hatten jedoch genauso wenig Glück den richtigen Weg aus der Krise zu finden. Vielmehr investierten sie nutzloses Geld in Berater, die Firma schrieb Verluste und schließlich haben die Banken die Notbremse gezogen, der Zug bremste im Nothalt.
Wie es jetzt weitergeht, ist noch unklar. Es bleibt zu hoffen, dass die Insolvenz auch die Chance für einen Neuanfang bietet. Noch gibt es eine hohe Markenbekanntheit, eine Menge Menschen die Märklin als Zeichen höchster Spielzeugqualität schätzen, und die Technologie, die einzigartig in der Welt ist. Es bleibt zu hoffen, dass es nur ein kurzer Halt ist, und die Dampfmaschine wieder mit voller Kraft nach vorne fährt